WordPress sicher mit AI Agents bearbeiten: MCP und die Abilities API in der Praxis

Robot and human hands reaching toward each other, symbolizing AI-assisted content authoring

AI Agents können auf dieser Website Inhalte erstellen und bearbeiten — und zwar sicher. Nicht per Screen-Scraping oder mit einem allmächtigen Admin-Konto, sondern über eine schmale, berechtigungsgeprüfte Schnittstelle auf Basis des Model Context Protocol (MCP) und der WordPress Abilities API. Dieser Artikel erklärt, wie das Setup funktioniert — und wurde selbst darüber verfasst.

Large Language Models werden für Content-Teams zu echten Mitarbeitenden: Sie entwerfen News-Artikel, strukturieren Layouts um, übersetzen Beiträge und halten Taxonomien sauber. Die schwierige Frage ist nicht, ob eine AI schreiben kann — sondern wie man einen Agenten an ein produktives CMS lässt, ohne ihm die Schlüssel zu allem zu übergeben.

Der hier beschriebene Ansatz entstand in Zusammenarbeit zwischen der Kommunikationsagentur Partner & Partner und baseVISION — prototypisiert in bemerkenswert kurzer Zeit, in einer nächtlichen Session von Yves Schürch und Lawrence Markwalder.

Die Bausteine: MCP und die WordPress Abilities API

Das Model Context Protocol ist ein offener Standard, über den AI-Clients wie Claude Code oder Codex mit externen Systemen über klar definierte Tools kommunizieren. Auf der WordPress-Seite bringen aktuelle Core-Versionen die Abilities API mit: ein Register, in dem eine Website einzelne, benannte Fähigkeiten deklariert — jede mit Schema, Beschreibung und, entscheidend, einem Permission-Callback.

Das MCP-Adapter-Plugin verbindet die beiden Welten. Es stellt einen Standard-MCP-Server bereit — erreichbar per HTTP über den REST-Endpunkt der Website oder per STDIO via WP-CLI — mit nur drei Meta-Tools: verfügbare Abilities entdecken, das Schema einer Ability einsehen und eine Ability ausführen. Einzelne Abilities sind nie eigenständige Top-Level-Tools; alles läuft durch diese eine, auditierbare Ausführungsschicht — und eine Ability erscheint überhaupt nur, wenn sie explizit als MCP-public markiert wurde.

Auf dieser Website besteht die Authoring-Oberfläche aus einem kleinen Set eigener Abilities: Beiträge erstellen und aktualisieren, Blöcke in bestehende Layouts einfügen, Medien durchsuchen und hochladen, Beitragsbilder setzen, Taxonomie-Begriffe zuweisen und eine Whitelist von ACF-Feldern schreiben. Lesezugriffe erfordern Bearbeitungsrechte; jeder Schreibzugriff wird gegen die echten WordPress-Berechtigungen des handelnden Benutzers am konkreten Beitrag geprüft.

Vorhängeschloss auf einer Tastatur als Symbol für berechtigungsgeprüfte WordPress-Abilities

Ein Sicherheitsmodell auf Basis echter Berechtigungen

Das Sicherheitsmodell verzichtet bewusst darauf, ein paralleles Berechtigungssystem zu erfinden. Stattdessen stützt es sich auf das, was WordPress bereits gut kann:

  • Ein dedizierter Agent-Benutzer mit Editor-Rolle. Der Agent authentifiziert sich als eigener WordPress-Benutzer, und dessen Berechtigungen sind die harte Obergrenze: Inhalte erstellen und Medien hochladen ja — Plugins, Benutzer oder Einstellungen verwalten nein.
  • Jede Schreib-Ability prüft eine echte Berechtigung. Kein Permission-Callback gibt einfach true zurück; Bearbeitungen werden am konkreten Beitrag geprüft.
  • Ein Löschschutz. Ein kleiner Guard wandelt endgültiges Löschen von Inhalten in “in den Papierkorb verschieben” um — selbst ein verwirrter Agent kann nichts unwiederbringlich zerstören. Den Papierkorb zu leeren bleibt eine menschliche Entscheidung.
  • Die REST API bleibt geschlossen. Der REST-Zugriff ist auf angemeldete Benutzer beschränkt; die MCP-Route ist bewusst nicht für anonyme Zugriffe freigegeben.
  • Draft first. Die Konvention für Agents: Inhalte als Entwurf anlegen — veröffentlicht wird von Menschen.

Die Validierung geht über Berechtigungen hinaus. Das Content-Modell selbst wird von den Abilities durchgesetzt: Ein News-Beitrag akzeptiert nur news_type-Begriffe, ein Service nur seine solution- und journey-Taxonomien, und ACF-Schreibzugriffe sind auf eine Whitelist pro Inhaltstyp beschränkt. Ein Agent, der das falsche Feld am falschen Inhaltstyp schreiben will, erhält schlicht einen Fehler.

Dem Agenten den Hausstil beibringen

Berechtigungen machen einen Agenten sicher — aber nicht gut. Die zweite Hälfte des Setups ist das Onboarding. Der MCP-Server begrüsst jeden Client mit kurzen Instruktionen, die auf eine eigene Ability verweisen: Sie liefert den vollständigen Authoring-Guide der Website — ein von Menschen gepflegtes Markdown-Dokument mit den Inhaltstypen, den passenden Theme-Blöcken, den Markup-Regeln und dem Standard-Workflow. Jede andere Authoring-Ability trägt denselben Hinweis: Lies zuerst den Guide.

Der Guide hält praktische Erkenntnisse aus echten Agent-Sessions fest — zum Beispiel, wie ein neuer Beitrag aus einer synchronisierten Vorlage gestartet und im selben Schritt losgelöst wird, damit niemand mehr durch eine gesperrte Vorlagen-Instanz klicken muss. Weil der Guide als simples Markdown im Theme liegt, ist seine Pflege eine normale Content-Aufgabe — und jede künftige Agent-Session profitiert sofort.

Das Ergebnis ist ein Workflow, in dem der Agent die Abilities entdeckt, den Guide liest, Block-Markup im Designsystem des Themes komponiert, Medien hochlädt, die richtige Taxonomie zuweist — und einen Entwurf zur menschlichen Prüfung hinterlässt. Genau so ist dieser Artikel in die Redaktion gelangt.

Die Vorteile auf einen Blick

Sicherheit & Kontrolle

  • Echte WordPress-Berechtigungen als harte Obergrenze — der Agent ist Editor, nicht mehr
  • Nur explizit freigegebene Abilities sind sichtbar — kein genereller API-Zugriff
  • Löschschutz: endgültiges Löschen wird zu “in den Papierkorb”
  • REST API bleibt auf angemeldete Benutzer beschränkt
  • Draft first — veröffentlicht wird von Menschen

Content-Qualität

  • Taxonomie- und ACF-Schreibzugriffe werden pro Inhaltstyp validiert — falsche Daten werden abgelehnt, nicht gespeichert
  • Sprachbewusste Begriffsauflösung via Polylang
  • Ein eingebauter Authoring-Guide vermittelt jedem Agenten den Hausstil
  • Der Output nutzt die eigenen Blöcke des Themes — danach voll in Gutenberg editierbar

Betrieb

  • Eine auditierbare Ausführungsschicht für alles, was ein Agent tut
  • Dieselben Abilities über STDIO (lokal) und HTTP (Staging/Produktion)
  • Neue Inhaltstypen sind eine Whitelist-Erweiterung, kein Umbau
  • Funktioniert mit jedem MCP-Client — Claude Code, Codex und mehr

Über dieses Projekt

Das MCP-Authoring-Setup auf dieser Website ist eine Gemeinschaftsarbeit von Partner & Partner, der Agentur hinter dieser Website und ihrem Block-Theme, und baseVISION — entstanden aus einer nächtlichen Unterhaltung zwischen Yves Schürch und Lawrence Markwalder und innert Tagen zum funktionierenden Prototyp gebaut. Dieser Artikel wurde von einem AI Agent vollständig über genau die Abilities verfasst, die er beschreibt — und vor der Veröffentlichung von Menschen geprüft.

Bilder: Cash Macanaya und Towfiqu barbhuiya via Unsplash.